
Posted by CHRIS on May 07, 2009 at 08:37 PM
SHORT CUT TO HOLLYWOOD von Mittermeier & Stahlberg
Jan Henrik Stahlberg - Marcus Mittermeier - Christoph Kottenkamp
Das Team Mittermeier und Stahlberg zeichnete sich bereits vor ein paar Jahren für den tollen Muxmäuschenstill verantwortlich, dementsprechend hoch waren die Erwartungen als durchsickerte, dass die beiden sich als nächsten mit dem Phänomen von Reality TV und inszeniertem Starkult widmen werden. Dass der daraus resultierende Short Cut To Hollywood zwar gut aber nicht der ganz grosse Wurf geworden ist, den man erwarten konnte, liegt vor allem daran, dass die Realität, in all ihrer grotesken Pracht, ihrer Filmfiktion längst beängstigend nahe gekommen ist.
Drei talentfreie Freunde beschliessen internationale Superstars zu werden, also fliegt man ins Land der unbegrenzten Möglichkeiten um sich dort als ‘John F. Salinger & the Berlin Boys’ einen Platz im Rockstarolymp zu sichern. Um in die Presse zu kommen, lässt sich John F. den kleinen Finger amputieren. Plattenlabels und Filmproduktionsfirmen zeigen sich jedoch unbeeindruckt, selbst nachdem er sich den Arm amputieren lässt und seinen Tod vor laufender Kamera ankündigt. Erst als das gefrustete Trio als ‘Baghdad Street Boys’ ein Diner in Aufruhr versetzt ist ihnen die langersehnte Aufmerksamkeit sicher. Ihre Story, inklusive gross inszeniertem Suizid, geht live über die Sender, der Traum von Sex & Drugs & Schlager kann endlich gelebt werden. Irritierend an Short Cut To Hollywood ist, dass er sich eigentlich problemlos in das Programm der Privatsender integrieren liesse, wenn man ihn in mundgerechte Portionen à 20 Minuten teilen würde. Keiner der vermeintlichen Protagonisten ist in irgendeiner Form einprägsam, kein Scherz bleibt im Gedächtnis, kein Bild, über das man ungläubig staunen würde. Stattdessen ist alles einfach nur oberflächlich und grell und zynisch und einfach nur ätzend. Ich unterstelle jetzt einfach mal, dass sich das Duo dies genau so gedacht hatte.